Die Geschichte der Alten Brüderkirche

Die alte Brüderkirche ist ein wesentlicher Identifikationsort der Kasseler Bürger mit ihrer Stadt.

Die Identifikation der Bürger mit dieser Kirche und dem anschließenden Renthof, der im Kern aus den ehemaligen Klostergebäuden besteht, resultiert vor allem aus der Geschichte dieses Ortes. Denn das dörfliche Aussehen von Kassel im frühen Mittelalter änderte sich erst, als der erste hessische Landgraf Heinrich I., Sohn von Sophie von Brabant und Enkel der heiligen Elisabeth 1277 Kassel zu seiner Residenz erhob, ein festes Schloss erbaute und einen, in Hessen bis dahin unbekannten Mönchsorden, die „ Brüder unserer lieben Frau vom Berge Karmel „ (Karmeliter ) aufforderte, die Lesung der täglichen Messe in der Kapelle seines Burgsitzes zu übernehmen. Dieser Orden baute sich nahe am Schloss, innerhalb der Stadtmauern 1292 – 1376 eine Kirche samt Kloster.

1298 verkündigten die „Brüder“ – einen vierzigtägigen Ablass für alle, welche zum Bau der Karmeliterkirche hilfreiche Hand reichen würden. – Sie nannten sich nicht Mönche sondern Brüder und ihre Wohnung nicht Kloster sondern Haus oder Oratorium. Für ihre häuslichen Bedürfnisse sorgten Schwestern, „Martha’s „ genannt, welche in besonderen Häusern wohnten. Als Bettelorden und durch ihre zugleich- vorreformatorische – karge, aber höchst spirituelle Ausrichtung, stellten sie das Bindeglied zwischen dem Landgrafen und den Bürgern der Stadt dar.

Die von den Karmelitern von 1292 – 1376 erbaute Brüderkirche wurde als typische Bettelordenkirche als zweischiffige Hallenkirche nur mit einem Glockentürmchen versehen, erbaut.

Aus Mangel an Opfer-Almosen konnten Kirche und Kloster zwei Jahrhunderte später nicht mehr erhalten werden. Deshalb übergab der Orden – schon ein halbes Jahr vor der Einführung der Reformation in Hessen – die Gebäude 1526 an den Landgrafen, der sie der ältesten Gemeinde Kassels, der Altstädter Gemeinde als Pfarrkirche überließ, was sie bis 1970 blieb. Dann erfährt die Kirche sehr unterschiedliche Nutzung:

Seit 1685 wurde die Kirche den Refugiés (Hugenotten) zum Gottesdienst überwiesen (bis 1841). Die Altstädter Gemeinde liebte und nutzte die Kirche bis in der Nacht vom 22/23. Oktober 1943, als die ganze Kasseler Innenstadt dem Boden gleich gemacht wurde, auch die Brüderkirche schwer beschädigt wurde. 1952 – 1955 wurde sie in der ursprünglichen Form wieder aufgebaut und mit großer Feierlichkeit eingeweiht. Doch der Krieg hatte nicht nur Gebäude zerstört, er hatte auch das Wohnquartier Altstadt grundlegend verändert, statt enger, dicht bewohnter Häuser war die große Verkehrsader Steinweg-Brüderstraße entstanden. Die evangelische Altstadtgemeinde war dezimiert, die Kirche wurde zu groß, der Verkehrslärm unerträglich, deshalb verließ die Gemeinde die Kirche und erbaute an der Weserstraße ein neues Gemeindezentrum, die NEUE Brüderkirche. Man nahm alles Brauchbare mit, die Orgel, das Gestühl und das Altarkreuz. Die Kirche blieb leer stehen und verfiel zusehends.

Den Verantwortlichen der Evangelischen Kirche aber war daran gelegen, diesen Raum nicht zu verlieren, sondern ihn zur Begegnung von Menschen zu nutzen. Deshalb hat sich die Kirchengemeinde mit dem Gesamtverband evangelischer Kirchengemeinden und der Landeskirche zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen: Die Alte Brüderkirche einer nichtselbständigen Stiftung zu überantworten. 1995 wurde die Stiftung“ Alte Brüderkirche“ begründet, ein Stiftungsrat berufen, der sich ehrenamtlich um die Sanierung und neue Nutzung kümmern sollte.

Nun ist die Alte Brüderkirche durch große und kleine Spenden der Kasseler Bürger Schritt für Schritt renoviert worden und wird heute unter der Aufsicht des Stiftungsrates als besonderes Veranstaltungszentrum genutzt.